Spritzgebäck, mangels Fleischwolf ausgestochen

Spritzgebäck bedeutet Advent, Weihnachten, Familie, Tradition. Spritzgebäck muss niemand besonders speziell oder fein finden, aber es ist wohl wie Kartoffelsalat oder Fondue oder… etwas, von dem jede Famile ihr ganz spezielles Geheimrezept hat und pflegt und über Generationen weiter gibt. Ich habe Spritzgebäck schon mit meiner Oma gebacken (übliche Aufteilung: sie hat gearbeitet, ich als Enkel genascht). In den letzten 30 Jahren hat meine Mutter mich jedes Jahr mit grossen Blechdosen voller Spritzgebäck versorgt – in den letzten Jahren unterstützt von ihrem Enkel.


Dieses Jahr habe ich mich zum allerersten mal selbst an dem Teig versucht. Man nutzt einen Fleischwolf, durch den der feste fast harte Teig gedreht und mit Schablonen in meist flache Profile geformt wird, die dann in ca. 5 cm lange Stücke geschnitten werden. Und wenn man keinen Fleischwolf hat, muss man halt leiden und den Teig auswalzen und kleine Plätzchen ausstechen. „Plätzchen“ heissen anderswo Kekse, Cookies oder Guetzli, aber Spritzgebäck sind nun mal Plätzchen. Da das Rezept natürlich geheim ist, kann ich es hier nicht wieder geben, aber Butter, Zucker, Mehl und wenig Ei sind drin – das wird niemanden überraschen. (unten weiterlesen)

Da der Teig bei mir gar nicht glatt werden wollte und krümlig blieb, habe ich mich erinnert, das meine Oma vorsichtig gelegentlich den ein- oder anderen Esslöffel kaltes Wasser hinzugegeben hat. Den Trick habe ich dann auch eingesetzt, und alles ruiniert. Zwar wurde nun aus dem Geröll ein geschmeidiger Sumpf, aber der lässt sich nunmal nicht mehr ausrollen – er klebt an allem. Zwei Nächte im kühlen Keller und etwas zusätzliches Mehl und Zucker und eine im Backen deutlich talentiertere Frau haben den Teig dann retten können. Übrigens: da ich als Koch immer und notorisch-pathologisch alle Rezepte anpassen muss, habe ich der zweiten Hälfte geriebene Orangenschale zugegeben. Super. Wirklich super. Im Geschmack sehr subtil, im Duft aber schon beim Backen und auch später in der Dose ganz wunderbar weihnachtlich.

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