Pimp my Bike (Velo)

Mein heiss geliebtes Velo, der Wilhelm, war nicht ganz in der Form, die ich mochte. Es gab ein hässliches viel zu grosses und die klare Geometrie des Rahmendreiecks störendes Abus Gliederschloss. Die superhässlichen superunpraktischen von allen anderen geliebten Ortlieb Satteltaschen haben mich schojn viel zu lang gequält. Der Wilhelm hatte keinen Ständer, mangels Befestigungspunkten (Riemenantrieb und spezielle Ausfallenden). Der Fahrradtacho war extrem suboptimal. Und es gab keine individuellen Kennzeichen. Das alles ist jetzt anders.

Schildli

Zunächst braucht mal jedes Velo ein gescheites Versicherungsschildli. Offiziell seit 2011 abgeschafft, und die schönen Blechschildi schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Umlauf, aber es gibt ja ricardo.ch und da kann man diese alten Schildli noch bekommen. Mit Glück aus dem Wunschkanton und dem Wunschjahr. Also BE 1962.

Versicherungsschild Anno 1962

Ständer

So ganz ohne Veloständer ist einfach unpraktisch. Wenn man das Velo irgendwo anlegt, kann man fast sicher sein, dass es hinterher ein paar Macken im Lack hat. Hinlegen? Naja… Veloständer: Scheibenbremse stösst an, und die Speichen stehen nicht selten unter Last. Einen Ständer montieren geht „dank“ der speziellen Geometrie nicht. ABER es gibt eine Lösung. Zusammengefaltet nicht grösser als eine Brille. Dann drückt man eine kleine Entriegelung, schiebt einen Riegel herunter, spreizt die beiden Beinchen, steckt das Ganze auf die linke Kurbel, und stellt das Velo vorsichtig auf den Beinchen ab. Genial!

Ständer
Ständer

Schloss

Dieses doofe massige hässliche Abus-Schloss hat mir nie gefallen. Ist unpraktisch in der Bedienung und zerstört die schöne Rahmenoptik. Ich habe mir ein iLockIt zugelegt. Sieht aus wie ein gewöhnliches Rahmenschloss, hat aber ein paar Tricks auf Lager. Zum Beispiel kann man eine Kette oder ein flexibles Metallgeflechtkabel um einen Mast schlingen und das Ende in eine dafür vorgesehene Öffnung stecken, wo es mit verriegelt wird. Auch ohne diese zusätzliche Sicherheitsmassnahme wirkt das Schloss ausreichend solilde. Es kann

  • Per Handsender (mit Bluetooth gekoppelt) geschlossen und geöffnet werden
  • Per iPhone (mit Bluetooth gekoppelt) geschlossen und geöffnet werden
  • Per Knopfdruck geschlossen werden
  • Per Farbcode am Knopf geöffnet werden
  • Sich von selbst schliessen und wieder öffnen, wenn jeweils individuell festgelegte Signalstärken (=Entfernungen) der BT Verbindung unter- bzw. überschritten werden. Die iOS App merkt sich den Standort und zeigt ihn auf einer Karte an.
  • Wenn das Velo (heftig) bewegt wird, geht ein 100 dB Alarm los. Das will kein Dieb.

Coole Sache!

I Lock It Schloss
I Lcok It Software (iPhone)

Taschen

Jeder hat anscheinend diese Ortlieb Backroller Seitentaschen. Wasserdicht. Zum Einrollen. Fallen auf den Boden gestellt dauernd um. Lassen sich nicht gescheit beladen. Hässlich wie die Nacht. Ich hatte auch solche. Und hab mich täglich geärgert.

Ich habe sie gegen Racktime Mia ersetzt. Von aussen sehen sie viel zierlicher aus, und sie sind auch nur wasserabweisend (aber ich fahre nicht, wenn Regen droht). Mit Schulterriemen und stylischem Lederverschluss mit G-Haken zum Einhängen. Zwei Innentaschen für Werkzeug, Portemonnaie etc. Von aussen sehen sie kleiner aus als die Ortlieb, aber es passt mehr hinein. Hängen stabil am Träger und lassen sich trotzdem leicht abnehmen. Prima.

Tasche „Mia“

Tacho

Ich benutze meine ansonsten kaum noch gebrauchte Fenix 3 als Fahrradcomputer. Das Teil zeigt mir einkommende SMS und Nachrichten an, zeichnet Touren auf, und kann alle möglichen Informationen anzeigen: Geschwindigkeit (aktuell, Durchschnitt, Maximal), Trittfrequenz, Zeit, Dauer, Strecke, Puls…

Das schöne ist, dass die Fenix eigentlich ein kleiner Computer ist, der Programme ausführt. Und diese Programme kann man auch selbst schreiben. Man muss sich nur die Entwicklungsumgebung installieren (Garmin API, Eclipse als IDE, Emulator, Java Framework…) und kann loslegen.

Ich habe mir eine eigene kleine App geschrieben, die in der Mitte gross die Zeit anzeigt (beim Pendeln die wichtigste Information: bin ich noch in der Zeit oder komme ich zu spät?), die Trittfrequenz, die Geschwindigkeit, die Strecke, die Dauer. Ausserdem wird die Geschwindigkeit in Grün dargestellt, wenn ich schneller fahre als der momentane Durchschnitt, und rot, wenn ich langsamer bin. Das spornt an! Aus Trittfrequenz und Geschwindigkeit kann ich mir nach einmaliger Eichung den Gang meiner Pinion 18-Gang-Schaltung anzeigen lassen (18 Gänge mit jeweils 11% Versatz in der Übersetzung; kein Überlapp; 630% Entfaltung; Drehgriff; Einbau am Tretlager). Wenn ich anhalte, zeigt die Anzeige die Durchschnittswerte statt den aktuellen Werten für Trittfrequenz und Geschwindigkeit an, und nutzt dafür einen blauen Font, damit auch gleich klar ist, dass es jetzt Durchschnittswerte sind. Clever. Früher musste ich dafür auf einen anderen Screen wechseln. Zu dem digitalen Zahlenwust kommt ein roter analoger Zeiger, der von 8 Uhr bis 4 Uhr läuft. Die Skala geht von 0 bis 30 km/h in Schritten von 5 km/h pro „Stundeneinteilung“, ab 30 km/h dann 10 km/h pro Teilstrich. In diesen hohen Geschwindigkeitsbereichen braucht es eine weniger präzise Einteilung. Auf dieser Skala laufen ein blauer Punkt für die Durchschnittsgeschwindigkeit und ein grüner Punkt für die Höchstgeschwindigkeit. Der rote Zeiger zeigt schön an, wo man sich in Bezug auf diese beiden Werte gerade befindet. Das alles braucht kein Mensch, aber es geht, ist kreativ und macht enorm viel Spass bei der Planung und Codierung. Yay!

Karsten’s selbst programmierter Velotacho

Alle Fotos (c) Karsten Seiferlin

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