Portraitlinsen für Fujifilm X-Mount:


TL;DR

Drei günstige Portraitlinsen für die Fujifilm X-E5 im direkten Praxisvergleich: Viltrox 56mm f/1.7, Meike 55mm f/1.4 und Viltrox 75mm f/1.8 Pro. Getestet im Garten, am Sonnenblumenfeld und in typischen Alltagssituationen – kein Labor, dafür echter Einsatz. Drei günstige Portraitlinsen für die Fujifilm X-E5 im direkten Praxisvergleich:

  • Viltrox 56mm f/1.7, Meike 55mm f/1.4 und Viltrox 75mm f/1.8 Pro. Getestet im Garten, am Sonnenblumenfeld und in typischen Alltagssituationen – kein Labor, dafür echter Einsatz.
  • Das Meike 55mm f/1.4 gewinnt: schönes Bokeh, einwandfreier Blendenring, CAs in der Praxis kein Thema.
  • Der Unterschied zwischen f/1.4 und f/1.7 ist in der Praxis deutlich sichtbarer als auf dem Papier.
  • Das Viltrox 56mm f/1.7 nervt ohne Blendenring: Apertursteuerung per Kameramenü ist fehleranfällig und zeitraubend.
  • Das Viltrox 75mm f/1.8 Pro hat tolles Bokeh, aber die Tele-Kompression macht jede Szene unnatürlich flach.
  • Entscheidung: Meike behalten – beide Viltrox kommen in den Flohmarkt.

Portraitlinsen für Fujifilm X-E5:

Ausgangslage

Objektivtest für meine Fujifilm X-E5 mit X-Mount, und zwar in der bezahlbaren Klasse der Portraitlinsen. Ich habe noch eine originale Fujifilm XF 56mm 1.2 – die hat allerdings einen defekten Autofokus und ist fühlbar extrem schwer und klobig. Ich hab sie deswegen so gut wie nie im Einsatz, obwohl die Abbildungsqualität über jeden Zweifel erhaben ist.
In den letzten drei Monaten habe ich drei verschiedene Autofokuslinsen aus China gekauft. Hier ist mein Bericht.


Die drei Kandidaten

Viltrox 56mm f/1.7

Eine sehr budgetfreundliche Linse ohne Blendenring. Der erste Eindruck: sie ist zwar aus Kunststoff, aber dafür super kompakt und super preiswert. Angeschlossen ander X-E5 fühlt sich das alles gut an. Der Autofokus ist schnell und leise – jedenfalls für meine Begriffe. Ich mache keinen wissenschaftlichen Test, kein nah-fern-nah-fern mit Stoppuhr. Das ist untypisch für meinen Einsatz.

Das Fehlen eines Blendenrings hat mich früher masslos geärgert. Ich finde es immer noch sehr schade, aber diese Objektivklasse wird man ohnehin meistens offenblendig betreiben wollen. Als klassische Portraitlinse kommt es dann mehr auf die Abbildungsqualität und die sonstigen Eigenschaften an.

Meike 55mm f/1.4

Praktisch identisch zu 56mm, hat einen Blendenring und eine Offenblende von 1.4. Das kommt nicht an die 1.2 der Fujifilm XF heran, dafür ist sie viel kleiner, viel kompakter – gefühlt ein Drittel so schwer, vielleicht die Hälfte. Der Blendenring sieht toll aus, lässt sich gut bedienen und ist haptisch einwandfrei. Vom ersten Eindruckher sicher eine sehr attraktive Linse.

Viltrox 75mm f/1.8 Pro

Der dritte Kandidat, ganz neu am Markt und unter der Pro-Line von Viltrox vermarktet. 75mm statt 55 oder 56 – und Offenblende 1.8. Numerisch kleiner als 1.7 oder 1.4, aber der Linsendurchmesser vorne ist trotzdem grösser, was eine kleinere Tiefenschärfe und damit bessere Freistellung ermöglicht. Der Blendenring fühlt sichhaptisch toll an, das Objektiv ist kaum grösser und schwerer als das Meike. Klar istaber: man muss 20–30% weiter weg vom Motiv, um den gleichen Bildausschnitt zu bekommen.


Zwischenfazit vor den Tests

Was mir bei allen dreien aufgefallen ist: der Autofokus ist sehr leise und für mich gefühlt schnell und präzise. Haptisch und äusserlich ist die Viltrox 75mm 1.8 praktisch nicht grösser als das Meike 55mm 1.4 – beide haben einen Blendenring. Auf dem Papier hatte das Meike es damit schon relativ schwer. Vor den Testergebnissen hätte ich gesagt: ich lande entweder beim kleinen Viltrox 56mm – preiswert, kompakt, ohne Blendenring – oder beim 75mm 1.8. Wahrscheinlich nicht beim Meike, obwohl es für sich genommen sicher toll ist.

Praxistest: Garten und Plexiglaskugel

Meine Philosophie: nicht hunderte Fotos machen, sondern lieber drei oder vier bei kritischen, typischen Situationen. Bei den ersten Tests habe ich eine Yucca im Garten genommen. Keine offensichtlichen Fehler bei irgendeinem der drei Kandidaten.

Daneben habe ich einen sehr hellen Reflexionsfleck auf einer Plexiglaskugel fotografiert, um CAs und Flares zu prüfen. Störende CAs habe ich bei keinem der drei Objektive gefunden. Die Abbildungsqualität und Schärfe war bei allen dreien wirklich gut – so gut, dass man sich bei jedem ehrlich freuen würde, wenn man es unterm Weihnachtsbaum oder in der Fototasche findet.

Beim Viltrox 56mm brauchte ich jedoch eine Weile, um im Kameramenü die Option zu finden, mit der man über das Kontrollrad die Blende steuert. Ich kann immer noch nicht nachvollziehen, warum es manchmal klappt und manchmal nicht. Aber das ist kein gutes Zeichen. Wenn man ein Objektiv ansetzt, will man die Blende direkt kontrollieren können. Der Fehler mag an mir liegen – spielt aber keine Rolle. Ich bin ich, ich will mich nicht ändern, ich ändere das Objektiv.


Das 75mm fliegt raus

Das Viltrox 75mm hat ein tolles Bokeh – aber der Bildausschnitt ist sehr eng. Ich habe ein paar Schritte zurück gemacht, damit der Bildausschnitt gleich ist wie bei den 55/56mm Kandidaten. Und dann zieht es die Äste, Bäume und Objekte im Hintergrund so nah an den Vordergrund, dass sie zwar schön unscharf und freigestellt sind – aber so, als wären sie direkt an den Ohren oder Blüten dran, ohne jeden horizontalen Abstand. Man hat eine sehr flache Wirkung der Szenerie: 5 Meter Abstand sehen aus wie 30 Zentimeter. Das hat mir nicht gefallen und mich überrascht – das Objektiv, das auf dem Papier vielleicht am besten aussah, ist damit raus aus der Wahl. Mittlerweile steht es im Flohmarkt.


Feldtest: Sonnenblumen

Heute habe ich ein Sonnenblumenfeld fotografiert – nur noch mit Meike und Viltrox 56mm 1.7. Verschiedene Sonnenblumen in verschiedenen Abständen fokussiert.

Auffallend: beide Objektive sind sehr leise und für meine Anwendungen schnell genug. Ich fotografiere keine Kinder, keine Haustiere, keine Formel-1-Autos. Also: sofort und entschlossen scharf, leise noch dazu. Das Meike hat ein wirklich wunderschönes Bokeh. Ein Baum im Hintergrund, einige hundert Meter entfernt, war total verschwommen – ohne Katzenaugen, ohne das von vielen geliebte, von mir gehasste Swirling Bokeh. Dazu dieser haptisch einwandfreie Blendenring: innerhalb einer Zehntelsekunde auf Maximalblende, kein Menü, kein Stochern.

Das Viltrox 56mm – wieder einige Zeit für die Suche nach der Blendenverstellung. Beim Objektivwechsel war es überraschend leicht, ich habe kurz nachgeschaut, ob ich überhaupt das Richtige montiert hatte. Der Fokus ist leise und schnell, die Abbildungsqualität kontrastreich und knackscharf. Aber die Freistellung ist deutlich weniger schön als beim Meike. Der Baum in ~500 Meter ist natürlich unscharf – aber nicht annähernd so unscharf. Das hat mich gewundert, denn auf dem Papier sieht der Unterschied zwischen 1.4 und 1.7 marginal aus. In der Praxis ist er sehr deutlich sichtbar.


Meike und die CAs

Das Meike wird auf YouTube wegen notorischer chromatischer Aberrationen kritisiert. Ich habe Äste und Blätter gegen den hellen Himmel fotografiert – nichts, was mich stört. Dann ein Schild im Metallrahmen gegen den hellen Himmel – auch gar nichts Auffälliges. Es wird Situationen geben, wo ich das provozieren kann, aber im typischen Einsatz ist alles gut. Ich kann das Meike einsetzen, ohne dass CAs – die mich sonst auf die Palme bringen – störend auffallen.


Fazit

Ich schlafe noch eine Nacht drüber, aber im Moment sieht es klar aus. Das Viltrox 56mm hat Probleme: kein Blendenring, Blendeneinstellung per Menü. Man verliert Zeit. Anstatt sich aufs Fotografieren zu konzentrieren, hadert man mit der Benutzerführung. Bildqualität ist kontrastreich und gut, Haptik fühlt sich nach Plastik an – es belohnt einen dafür mit einem unheimlich kompakten und leichten Paket. Ich kann mir gute Gründe überlegen, warum man dieses Objektiv anderen deutlich vorziehen würde. Aber ich bin nicht ich dabei. Das Viltrox 75mm: haptisch und optisch eine Klasse über den anderen beiden. Aber die optische Wirkung der langen Brennweite passt mir nicht.

Das auf YouTube eher kritisch gesehene Meike passt. Wenn man eins geschenkt bekommt: behalten und nutzen. Wenn man eins kaufen soll: ich persönlich nehme das Meike. Haptisch nicht ganz auf Viltrox-75-Niveau – aber weit über dem Viltrox-56-Niveau. Wenn es klein und kompakt sein muss und der Blendenring keine Rolle spielt: Viltrox 56mm. Optisch prima, haptisch einfach nicht auf dem Level der anderen. Damit steht fest: Meike behalten. Beide Viltrox kommen in den Flohmarkt.

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