{"id":2076,"date":"2017-08-11T13:08:39","date_gmt":"2017-08-11T11:08:39","guid":{"rendered":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/?p=2076"},"modified":"2020-09-20T15:52:59","modified_gmt":"2020-09-20T13:52:59","slug":"rosetta-mupus-die-esa-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/?p=2076","title":{"rendered":"Rosetta, MUPUS, die ESA und ich"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/img_0170.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/img_0170.jpg?resize=525%2C394\" class=\"alignnone size-full wp-image-2075\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/img_0170.jpg?w=2224 2224w, https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/img_0170.jpg?resize=300%2C225 300w, https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/img_0170.jpg?resize=768%2C576 768w, https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/img_0170.jpg?resize=1024%2C768 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/img_0170.jpg?w=1575 1575w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/a><br \/>\nVor ein paar Tagen erreichte mich eine Urkunde der ESA (siehe Bild), die meinen Beitrag an der Rosetta-Mission w\u00fcrdigt. Wie es dazu kam?<br \/>\n<!--more Artikel lesen--><br \/>\n1993 sassen wir, angehende oder schon etablierte Planetologen und Weltraumforscher, in der K\u00fcche meiner WG in M\u00fcnster, und diskutierten bei Rotwein und Kerzenschein, malten oder skizzierten Ideen, setzten einen Aktionsplan auf, und tr\u00e4umten ziemlich verr\u00fcckte Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Die ESA, sagten Ger\u00fcchte, wolle zu einem Kometen fliegen und dort wom\u00f6glich einen kleinen unbemannten Lander absetzen. Verr\u00fcckt, wie gesagt. Die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen brachten sich in Stellung und planten Cameras, Massenspektrometer, Magnetometer, einen Bohrer&#8230; aber niemand dachte daran, die Energiebilanz zu bestimmen. Alles, was man von der Erde aus von einem Kometen sehen kann, wird vom winzigen nur wenige km grossen Kern ausgeschwitzt. Gase, Staub&#8230; und die Energie, die Gase durch Verdampfen von Eis freisetzt und Staub hebt, kommt ausschliesslich oder ganz \u00fcberwiegend von der Sonne. Das heisst, man muss doch nur an der Oberfl\u00e4che und etwas darunter messen, wie warm es dort wird, und dann kann man verstehen, wann wieviel Gas in welcher Tiefe freigesetzt wird, und wie sich der Komet an der Oberfl\u00e4che langsam ver\u00e4ndert und altert. Niemand hatte das auf dem Plan, aber wir&#8230;Verr\u00fcckten.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter reichten wir den Projektantrag ein und wurden ausgew\u00e4hlt. <i>Against all odds<\/i>. Ein Team mit Mitgliedern aus Graz, Warschau, Canterbury, Berlin und M\u00fcnster (meinem damaligen Institut) entwickelte, baute und testete ein Instrument names MUPUS, bestehend aus einer Thermalsonde, die in den Boden eindringen sollte, einem kleinen Infrarotsensor, sowie je einem Temperatursensor und Beschleunigungssensor, die in den beiden Harpunen der Landesonde untergebracht waren. Ich war ab 1996 als Project Manager f\u00fcr die Koordination und programmatisch-technische Leitung des Projekts zust\u00e4ndig. 2002 lieferten wir das Fluginstrument ab. Ein Jahr sp\u00e4ter wechselte ich nach Bern und gab meinen Posten als Project Manager an meinen Nachfolger weiter.&nbsp;<\/p>\n<p>Ich will hier nicht einen detaillierten Schulaufsatz \u00fcber Rosetta und Philae und MUPUS schreiben &#8211; das Internet ist voll von solchen Schilderungen. Aber ein bisschen was muss doch gesagt werden. Rosetta startete im Fr\u00fchjahr 2004, also etwa zehn Jahre nach Projektbeginn. Im November 2014, also weitere zehn Jahre sp\u00e4ter, landete &#8211; nach drei unbeabsichtigten H\u00fcpfern &#8211; der mittlerweile Philae getaufte Lander auf dem Kometen Churyumov-Gerasmenko. Unser Instrument arbeitete wie geplant &#8211; aber der Komet wollte nicht kooperieren und war \u00fcberrasched hart, so dass die Thermalsonde nicht in den Boden eindringen konnte. Die drei Tage, in denen Philae auf der Kometenoberfl\u00e4che arbeitete, durfte ich im Philae Kontrollzentrum beim DLR in K\u00f6ln-Porz verbringen und so unmittelbar dabei sein, wenn Daten empfangen wurden, hitzige Diskussionen entfachten und Entscheidungen \u00fcber die n\u00e4chsten Schritte gef\u00e4llt wurden. Das waren wohl mit die aufregendsten Tage meines Lebens. Allein die Vorstellung, dass etwas, was wir uns ausgedacht, gebaut, ber\u00fcht, getestet haben, jetzt, nach so langer Zeit, in vielen Millionen km Entfernung wie geplant arbeitet, ist irgendwie <i>crazy<\/i>. Die von MUPUS schmerzhaft gewonnene Erkenntnis, das der Komet entgegen der weitverbreiteten \u00dcberzeugung nicht weich ist, wurde sp\u00e4ter als eines der wichtigsten Ergebnisse von Philae bewertet, und passt einigen Kometenforschern immer noch nicht so recht in den Kram.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist die Rosetta-Mission beendet. Ich habe den Weltraum-Bereich hinter mir gelassen und blicke mit Stolz auf meinen Beitrag f\u00fcr MUPUS, Philae und Rosetta zur\u00fcck. In wenigen anderen Branchen hat man noch die Zeit und Geduld, mehr als 20 Jahre von der Idee bis zum Projektende zu verbringen.&nbsp;<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Urkunde der ESA (siehe Bild), die meinen Beitrag w\u00fcrdigt. Sch\u00f6n. Vielen Dank, ESA, vielen Dank, DLR, vielen Dank, MUPUS-Kollegen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Urkunde der ESA (siehe Bild), die meinen Beitrag an der Rosetta-Mission w\u00fcrdigt. 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