{"id":157,"date":"2017-07-31T14:12:16","date_gmt":"2017-07-31T14:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/durchblog.ch\/?p=157"},"modified":"2025-03-26T15:02:21","modified_gmt":"2025-03-26T14:02:21","slug":"sojus-t-15-die-vielleicht-coolste-bemannte-weltraummission-bis-heute","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/?p=157","title":{"rendered":"Sojus T-15: die vielleicht coolste bemannte Weltraummission bis heute"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_435\" aria-describedby=\"caption-attachment-435\" style=\"width: 575px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-435\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Salyut7_with_docked_spacecraft.jpg?resize=525%2C352\" alt=\"Salyut 7 mit angedockter Sojus T\" width=\"525\" height=\"352\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-435\" class=\"wp-caption-text\">Salyut 7 mit angedockter Sojus T<br \/>(c) NASA, Public Domain; http:\/\/web.archive.org\/web\/20041109203851\/<\/figcaption><\/figure>\n<p>OK, das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Schliesslich gab es da noch die Apollo-Missionen zum Mond. Aber die sind Legende, w\u00e4hrend die <em>Sojus<\/em> T-15 Mission kaum beachtet wurde.<\/p>\n<blockquote><p>TL;DNR: Andauernde Probleme mit der <em>Saljut<\/em> 7 Raumstation einerseits, und die bereits gestartete <em>Mir<\/em> Station andererseits konfrontierten die sowjetische Raumfahrt Mitte der 80er Jahre mit einem Dilemma: sollte man die <em>Saljut<\/em> 7 reparieren und die noch ausstehenden Experimente durchf\u00fchren, oder die <em>Mir<\/em> so schnell \u00a0wie m\u00f6glich in Betrieb nehmen und <em>Saljut<\/em>7 aufgeben? Da nur noch eine Sojus-Kapsel zur Verf\u00fcgung stand, die an beide Raumstationen ankoppeln kann, musste eine Entscheidung her. Und man entschied sich zu einer riskanten L\u00f6sung: nicht entweder\/oder sondern sowohl\/als auch. Zwei Kosmonauten nahmen zun\u00e4chst die <em>Mir<\/em> in Betrieb, wechselten von dort zur <em>Saljut<\/em> 7, f\u00fchrten die dort wartenden Experimente durch, und kehrten anschliessend zur <em>Mir<\/em> zur\u00fcck. Nie zuvor und nie danach ist eine Crew von einer Raumstation zu einer anderen (und dann auch noch retour) geflogen.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mit einer ballistischen Rakete bis auf &gt;100 km starten, den Weltraum, der eben bei 100 km H\u00f6he beginnt, erreichen und dann wieder landen, so wie es einige Unternehmen in naher Zukunft f\u00fcr zahlende Kunden anbieten? Recht cool. Und wird wohl bald Routine, so wie <span style=\"text-decoration: line-through;\">Achterbahn<\/span> Rollercoaster fahren.<\/p>\n<p>Mit einer Raumkapsel wie der russischen <em>Sojus<\/em>, der chinesischen <em>Shenzhou<\/em>, der kommenden <em>Dragon<\/em> V2, dem mittlerweile eingemotteten Shuttle auf 400 km H\u00f6he fliegen, die Erde ein paar mal umrunden und wieder landen? Ziemlich cool. Wurde aber auch schon sehr oft gemacht. Seit <em>Wostok<\/em>, <em>Mercury<\/em>, <em>Gemini.<\/em>.. in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Mit einer <em>Sojus<\/em>, dem Shuttle oder den anderen bemannten Kapseln zu einer Raumstation fliegen, dort eine Weile bleiben und dann wieder landen? Sehr cool. Und ebenfalls schon oft gemacht. Von Amerikanern, Russen und Chinesen mit eigener Hardware, und zahlenden G\u00e4sten aus Europa, Afrika, Asien samt Japan, S\u00fcd- und Mittelamerika. Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Sigmund J\u00e4hn, Claude Nicollier, Ulf Merbold, Franz Viehb\u00f6ck, wer mag sich nicht erinnern?<\/p>\n<p>Mit einer Raumkapsel zu einer bis dahin noch unbenutzen Raumstation fliegen, dort eine Weile bleiben, dann von dort wegfliegen zu einer anderen Raumstation, die &#8222;dank&#8220; eines Kurzschlusses in unbekanntem Zustand ist, diese wieder reparieren, in Betrieb nehmen, dort eine Weile bleiben, dann das Tafelsilber und anderes wertvolles Ger\u00e4t in die Raumkapsel packen und zur\u00fcck zur ersten Raumstation fliegen, dort das gerette Ger\u00e4t auspacken, in Betrieb nehmen, eine Weile bleiben und dann wieder landen: einmalig. Nochmal ganz langsam: Zuerst zur Raumstation A, dann zur Raumstation B, und wieder zur\u00fcck zur Raumsation A. Wie cool ist das denn? Und doch haben sie es gemacht: zwei Kosmonauten der Sowjetunion, die mit einer <em>Sojus<\/em>, eben der T-15, zur gerade erst gestarteten <em>Mir<\/em> flogen, von dort zu havarierten <em>Saljut<\/em> 7, und nach erfolgter Reparatur und l\u00e4ngerem Aufenthalt wieder zur <em>Mir<\/em>.<\/p>\n<p>Dieses Husarenst\u00fcck ist aber nicht aus purem \u00dcbermut entstanden, sondern wie so oft bei Husarenst\u00fccken aus Verzweiflung oder zumindest einer gewissen Notlage.<\/p>\n<p>Aber der Reihe nach&#8230; wir nehmen uns Zeit und n\u00e4hern uns der <em>Sojus<\/em> T-15 Mission aus dem Kontext der Ausgangssituation.<\/p>\n<h2>Die Ausgangssituation<\/h2>\n<p>Wir befinden uns in den fr\u00fchen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Apollo-\u00c4ra war seit 1972 Geschichte. Die letzte Apollo-Kapsel dockte 1975 mit einer <em>Sojus<\/em>\u00a0zusammen. V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung im All oder ISS 0.1. Danach war die NASA bis 1981 ohne eigene bemannte Raummissionen dazu verurteilt, der Sowjetunion zuzuschauen, wie dort Raumstation nach Raumstation in den Erdorbit gebracht und in immer l\u00e4nger dauernden Missionen bemannt wurden. 1981 schlug die NASA zur\u00fcck und feierte den ersten Flug des Space Shuttle, das versprach, die bemannte Raumfahrt in ganz neue Dimensionen zu katapultieren. Das <em>Challenger<\/em> Desaster sollte den Tr\u00e4umen erst 1986 einen extrem schmerzhaftes Ende bereiten. W\u00e4hrend die USA sich anschickten, mit dem Shuttle die bemannte Weltraumfahrt zu revolutionieren, konnte die Sowjetunion auf sehr umfangreiche Erfahrungen mit dem Betrieb und der Versorgung von Raumstationen und deren Besatzung &#8211; auch f\u00fcr mehr als 200 Tage &#8211; bauen.<\/p>\n<h2>Saljut 7<\/h2>\n<p>Die <i>Saljut<\/i>\u00a07 (auch <i>Salyut<\/i>\u00a07 im Englischen) trat, wie der Name schon sagt, die Nachfolge der sehr erfolgreichen <i>Saljut<\/i> 6 an, und wurde am 19. April 1982 gestartet &#8211; fast genau ein Jahr nach dem Jungfernfluf des Space Shuttle &#8222;<em>Columbia<\/em>&#8222;. <em>Saljut 6<\/em> und <em>Saljut 7<\/em> waren vergleichsweise einfach aufgebaute Raumstationen, die aus einem zentralen zylindrischen bewohnbaren Bereich bestanden, an deren beiden Enden je ein Kopplungsmechanismus vorhanden war. Hier konnten sowohl bemannte <i>Sojus<\/i>-Kapseln als auch unbemannte, von der <i>Sojus<\/i> abgeleitete Versorgungskapseln vom Typ <i>Progress<\/i> andocken. An <i>Saljut<\/i> 7 dockte gelegentlich an einem Ende ein Modul an (von M\u00e4rz bis August 1983 TKS-3, offiziell als <em>Kosmos<\/em> 1443 bezeichnet; von September 1985 an\u00a0TKS-4, offiziell als <em>Kosmos<\/em> 1686 bezeichnet). Beide waren \u00fcber die Schleuse be&#8220;geh&#8220;bar und stellten eine kleine unter Druck stehende Arbeitsumgebung bereit. Sie enthielten einige als geheim weil milit\u00e4risch motivierte Instrumente (Kosmos 1686 enthielt ein Infrarot-Teleskop, eine hoch aufl\u00f6sende Camera und ein weiteres, OZON genanntes Spektrometer).<\/p>\n<figure style=\"width: 1715px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mw-mmv-final-image png mw-mmv-dialog-is-open\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/9\/95\/Salyut_7_and_Cosmos_1686_drawing.png\/1920px-Salyut_7_and_Cosmos_1686_drawing.png\" alt=\"Salyut 7 and Cosmos 1686 drawing.png\" width=\"1715\" height=\"1265\" crossorigin=\"anonymous\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Saljut 7 (oben rechts\/hinten) und Kosmos 1686 (vorn). <em>(c) Public Domain. NASA &#8211; http:\/\/ston.jsc.nasa.gov\/collections\/TRS\/_techrep\/RP1357.pdf<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Insgesamt wurde die <em>Saljut<\/em> 7 von 10 <em>Sojus<\/em>-Kapseln, von <em>Sojus<\/em> T-5 bis <em>Sojus<\/em> T-15 (ohne <em>Sojus<\/em> T-8), besucht. <em>Sojus<\/em> T-8 h\u00e4tte ebenfalls zur <em>Saljut<\/em> 7 fliegen sollen, aber es kam beim Start zu einem Zwischenfall: die aerodynamische H\u00fclle der Tr\u00e4gerrakete, engl. <em>Shroud<\/em>, riss eine Antenne ab, die f\u00fcr eine sichere Mission ben\u00f6tigt wurde. Daher musste <em>Sojus<\/em> T-8 wieder landen, ohne je an die <em>Saljut<\/em> 7 docken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure style=\"width: 316px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/e\/ef\/Salyut_7_from_Soyuz_T-13.jpg\" alt=\"Saljut 7 (vorn) mit angedockter Sojus T 14 (hinten)\" width=\"316\" height=\"314\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Saljut 7 (vorn) mit angedockter Sojus T 14 (hinten). (c) unbekannt, vermutlich ein Crew-Mitglied der Sojus T 13. Siehe Wikipedia (EN)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><span style=\"color: #333333;\">\u00dcbrigens entsprechen die chinesisches Raumstationen <em>Tiangong<\/em> 1 und <em>Tiangong<\/em> 2 in etwa dem gleichen Konzept von <em>Saljut<\/em>, bei dem ein einzelnes zylindrisches Labormodul an beiden Seiten von bemannten und unbemannten Kapseln angeflogen werden kann, um die Station zu bemannen (durch <em>Shenzhou<\/em>\u00a0f\u00fcr Tiangong bzw. <em>Sojus-<\/em>Kapseln im Fall <em>Saljut<\/em>) und mit Vorr\u00e4ten zu versorgen (durch <em>Tenzhou<\/em> bzw. Progress Transportern). <\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><span style=\"color: #333333;\">Das Design der TKS-Module, die als <em>Kosmos<\/em> plus Nummer gestartet wurden, lieferte die Grundlage f\u00fcr zahlreiche sp\u00e4ter geflogene Module, die an der <em>Mir<\/em> und noch sp\u00e4ter an der ISS angedockt wurden: <em>Kvant<\/em> 1 und 2, <em>Kristall<\/em>, <em>Spektr<\/em>, <em>Priroda<\/em>, <em>Polyus<\/em>, <em>Zarya<\/em>, <em>Nauka<\/em>.<\/span><\/p>\n<h3>Havarie und Rettung mit <em>Sojus<\/em> T-13<\/h3>\n<p>Die <em>Saljut<\/em> 7 erwies sich allerdings als st\u00f6rrisch und wenig kooperationsbereit. Im Februar 1985 verlor die Bodenstation nach einem massiven elektrischen Kurzschluss und einem gescheiterten ferngesteuerten Reparaturversuch den Kontakt zur <em>Saljut<\/em> 7. Die Station war zu diesem Zeitpunkt nicht bemannt, da die letzte Besatzung, Leonid Kizim, Vladimir Solovyov (diese beiden werden wir sp\u00e4ter noch einmal n\u00e4her kennen lernen) und Oleg Atkov, die Station bereits verlassen hatten und die Nachfolger noch nicht gestartet waren.\u00a0Sie trieb danach unkontrolliert, ohne Elektrizit\u00e4t, ohne Heizung, ohne Navigationsm\u00f6glichkeit im Erdorbit umher. Es wurde beschlossen, einen Reparaturversuch im Orbit zu starten. Dazu wurde aus der <em>Sojus<\/em> T-13 ein Sitz entfernt, zus\u00e4tzliche Ausr\u00fcstung f\u00fcr das Andocken an eine vollkommen passive Raumstation installiert, und eine von den \u00fcblichen drei auf nur zwei Kosmonauten reduzierte Crew zu senden. Die Wahl viel auf Vladimir Dzanibekov und Viktor Savinykh. Dzanibekov war gerade mal ein Jahr zuvor bereits f\u00fcr knapp 12 Tage an Bord der <em>Saljut<\/em> 7 gewesen und wurde eben wegen dieser Erfahrung ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<figure style=\"width: 1599px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mw-mmv-final-image png mw-mmv-dialog-is-open aligncenter\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/5\/5a\/Soyuz-T_drawing.png\" alt=\"Soyuz-T drawing.png\" width=\"1599\" height=\"966\" crossorigin=\"anonymous\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span class=\"mw-mmv-author\">Sojus T. (c) Public Domain; NASA<\/span> \u2013 <span class=\"mw-mmv-source\"><a class=\"external free\" href=\"http:\/\/ston.jsc.nasa.gov\/collections\/TRS\/_techrep\/RP1357.pdf\" rel=\"nofollow\">http:\/\/ston.jsc.nasa.gov\/collections\/TRS\/_techrep\/RP1357.pdf<\/a><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Was dann folgte, w\u00e4re sicher einen eigenen l\u00e4ngeren Artikel wert, aber hier beschr\u00e4nken wir uns auf eine Zusammenfassung &#8211; schliesslich soll es haupts\u00e4chlich um <em>Sojus<\/em> T-15 gehen.<\/p>\n<p>Da die <em>Saljut<\/em> 7 nicht, wie \u00fcblich, ein automatisches Andocken der <em>Sojus<\/em> T-13 unterst\u00fctzen konnte, musste\u00a0Dzanibekov per Hand die Sojus mit der <em>Saljut<\/em> 7 koppeln. Die Stationskabine befand sich zwar noch unter Druck, war aber komplett ausgek\u00fchlt. In Winterkleidung wurde die Fehlerursache gefunden, repariert und <em>Saljut<\/em> 7 so wieder in Betrieb genommen.<\/p>\n<p>Danach konnte man, so dachte man, zum urspr\u00fcnglichen Plan zur\u00fcck kehren: \u00a0am 17. September 1985 startete die n\u00e4chste Stammbesatzung, Georgi Grechko,\u00a0Vladimir Vasyutin und\u00a0Alexander Volkov mit <em>Sojus<\/em> T-14. Grechko verliess die Station bereits nach einer Woche wieder und landete zusammen mit Dzanibekov in der <em>Sojus<\/em> T-13, die ja nur f\u00fcr zwei Kosmonauten umgebaut war. Savinykh bliebt zusammen mit den beiden anderen Neuank\u00f6mmlingen und der <em>Sojus<\/em> T-14 an Bord.<\/p>\n<h3>Abbruch wegen Krankheit: <em>Sojus<\/em> T-14<\/h3>\n<p>Urspr\u00fcnglich h\u00e4tten\u00a0Vasyutin, Volkov und Savinykh f\u00fcr 6 Monate bleiben und zahlreiche Experimente durchf\u00fchren sollen, aber es kam anders. Zwar konnte das schon weiter oben erw\u00e4hnte TKS-4 alias <em>Kosmos<\/em> 1686 Modul empfangen, gekoppelt und in Betrieb genommen werden, das \u00fcbrigens an dem Port andockte, der bis zuvor noch von der nun zur Erde zur\u00fcck gekehrte <em>Sojus<\/em> T-13 besetzt war. Es gab also einiges an Verkehr dort oben, zumal in der Periode von <em>Sojus<\/em> T-13 auch noch zwei Progress Transporter andockten (Progress 24 und die seltsamerweise nicht Progress, sondern <em>Kosmos<\/em> 1669 genannte Mission im Juli 1985 &#8211; nicht zu verwechseln mit <em>Kosmos<\/em> 1686, das ja erst nach der Abreise von <em>Sojus<\/em> T-13 dazu kam).<\/p>\n<p>Was nach der Ankunft von <em>Sojus<\/em> T-14 genau geschah, ist nicht ganz klar. Eine heftige Prostata-Infektion mit hohem Fieber bei Vasyutin soll eine Rolle gespielt haben, aber es gibt auch Berichte (oder Ger\u00fcchte) \u00fcber Probleme mit der Stimmung und Leistungsbereitschaft der Crew, allen voran des Kommandanten. Jedenfalls musste die Mission aus diesen Gr\u00fcnden vorzeitig nach nur 2 Monaten abgebrochen werden.<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte man ja nun mit <em>Sojus<\/em> T-15 weiter fahren k\u00f6nnen und die unerledigten Aufgaben, die durch den vorzeitigen Abbruch von <em>Sojus<\/em> T-14 liegen blieben, beenden k\u00f6nnen. Eigentlich. Aber dann gab es da noch die Sache mit der <em>Mir<\/em>.<\/p>\n<h2>Die <em>Mir<\/em><\/h2>\n<p>Die <em>Mir<\/em> h\u00e4tte auch <em>Saljut<\/em> 8 heissen k\u00f6nnen, aber das w\u00e4re ihr nicht gerecht geworden. Auch wenn das Zentralmodul ganz \u00e4hnlich aussah wie die Vorg\u00e4nger, war doch das Konzept deutlich ehrgeiziger. An einem Ende gab es einen &#8222;Knoten&#8220;, der nicht nur einen, sondern jeweils im rechten Winkel angeordnet f\u00fcnf\u00a0weitere Kopplungsmechanismen aufwies. An jedem dieser Stutzen konnte ein weiteres Labormodul, ganz \u00e4hnlich dem Zentralmodul einer <em>Saljut<\/em>-Station, angedockt werden. Oder eben eine <em>Sojus<\/em>-Kapsel. Oder eine Progress-Kapsel. Oder (theoretisch) eine <em>Buran<\/em>-Raumf\u00e4hre (zur <em>Buran<\/em> siehe unten). Oder &#8211; ganz real und viel sp\u00e4ter &#8211; ein Space Shuttle. Durch diese modulare Bausweise konnte die <em>Mir<\/em> nach und nach zu einer Raumstation mit mehreren Modulen erweitert werden. Die ISS \u00fcbernahm dieses Konzept in viel gr\u00f6sserem Massstab, und die Chinesen bereiten ganz konkret f\u00fcr 2018 den Start von <em>Tiangong<\/em> 3 (wenn sie denn so und nicht anders getauft wird) vor, bei der ebenfalls nach und nach mehrere grosse Module angedockt werden k\u00f6nnen, um eine stetig wachsende grosse Station aufzubauen.<\/p>\n<figure style=\"width: 1031px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mw-mmv-final-image svg mw-mmv-dialog-is-open\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/e\/e5\/Mir-Shuttle_diagram.svg\/1109px-Mir-Shuttle_diagram.svg.png\" alt=\"Die MIR am Ende des sukzessiven Ausbaus. Das Kernodul (gr\u00fcn) wurde nach und nach um weitere Labors (Violett, Hellblau, Hellgrau, Rot, Beige) erweitert. Progress- und Sojus-Kapseln konnten jeweils vorn oder hinten an den Komplex koppeln. Das NASA Space Shuttle dockte am braunen Docking Module unten rechts an. (c) Wikipedia (EN) \/ CC BY-SA 3.0 (Orionist - Basiert auf einem Diagramm von Seite 53 in NASA's Mir Mission Chronicle und dem original NASA Diagramm at File:Mir module.jpg. A diagram of the Soviet\/Russian space station Mir following the arrival of the Priroda module and the deployment of new solar arrays on Kvant-1 at the end of May 1996, shown with a docked Progress spacecraft and Soyuz spacecraft.)\" width=\"1031\" height=\"1265\" crossorigin=\"anonymous\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Die MIR am Ende des sukzessiven Ausbaus. Das Kernodul (gr\u00fcn) wurde nach und nach um weitere Labors (Violett, Hellblau, Hellgrau, Rot, Beige) erweitert. Progress- und Sojus-Kapseln konnten jeweils vorn oder hinten an den Komplex koppeln. Das NASA Space Shuttle dockte am braunen Docking Module unten rechts an. (<em>c) Wikipedia (EN) \/ CC BY-SA 3.0 (Orionist &#8211; Basiert auf einem Diagramm von Seite 53 in NASA&#8217;s Mir Mission Chronicle und dem original NASA Diagramm at File:Mir module.jpg.)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Wegen der guten Fortschritte bei der Entwicklung und Fertigstellung der <em>Mir<\/em> einerseits und den andauernden Problemen bei <em>Saljut<\/em> 7 ergab sich allerdings eine Situation, die so urspr\u00fcnglich nicht geplant war:<\/p>\n<ul>\n<li>Die <em>Saljut<\/em> 7 hatte ihre Aufgaben noch nicht erf\u00fcllt. Teure Instrumente und nicht erledigte Experimente warteten darauf, durchgef\u00fchrt zu werden &#8211; oder abgeschrieben. Das w\u00e4re ein teurer und extrem rufsch\u00e4digender Abschluss von <em>Saljut<\/em> 7 gewesen; ein Eingest\u00e4ndnis des Versagens.<\/li>\n<li>Die <em>Mir<\/em> war startbereit sollte auch aus Prestigegr\u00fcnden (die NASA konnte gerade mit dem Space Shuttle gl\u00e4nzen!) so bald wie m\u00f6glich gestartet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So oder so: im Februar 1986 wurde die <em>Mir<\/em> gestartet und im Erdorbit platziert. Nun hatte die Sowjetunion gleich zwei Raumstationen in Betrieb &#8211; und das einen Monat nach dem Challenger-Ungl\u00fcck der NASA.<\/p>\n<h2>Kopplungsmechanismen<\/h2>\n<p>F\u00fcr die <em>Mir<\/em>, die ja zu einer Multi-Modul-Station ausgebaut werden sollte, wurde auch ein neuer Kopplungsmechanismus namens <em>Kurs<\/em> entwickelt, der mit dem alten, bei <em>Saljut<\/em> 7 verwendeten <em>Igla<\/em> Mechanismus nicht kompatibel war. Zwar waren beide Ports mechanisch passend, aber das System zum automatischen Andocken unterschied sich. Das heisst, die Sowjets hatten mit der <em>Saljut<\/em> 7 und der <em>Mir<\/em> zwei Raumstationen mit unterschiedlichen Kopplungsmechanismen im Einsatz. Immerhin verwendete die <em>Mir<\/em> an einem der beiden Enden einen Port, der sowohl mit <em>Igla<\/em> als auch mit\u00a0<em>Kurs<\/em> kompatibel war, um den noch mit <em>Igla<\/em> ausger\u00fcsteten Progress-Kapseln ein automatisches Andocken zu erm\u00f6glichen, w\u00e4hrend der vordere Knoten bereits das neuere <em>Kurs<\/em> System verwendete.<\/p>\n<h2>Sojus T, Sojus TM und die Buran (und das Shuttle?)<\/h2>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte die <em>Saljut<\/em> 7 ja schon mit <em>Sojus<\/em>\u00a0T-14 seine Aufgabe erf\u00fcllt haben sollen. Man h\u00e4tte keine Verwendung mehr gehabt f\u00fcr die <em>Saljut<\/em> 7, und somit auch keinen Bedarf an Sojus-Raumschiffen mit dem alten <em>Igla<\/em> Kopplungsdesign, <em>Sojus<\/em> T genannt. Daher waren bereits weiter entwickelte <em>Sojus<\/em>-TM und &#8211; etwas sp\u00e4ter &#8211; Progress-Kapseln mit dem neuen <em>Kurs<\/em> Andockmechanismus in der Fertigung. Mit einer <em>Sojus<\/em> TM w\u00fcrde man aber nicht an die <em>Saljut<\/em> 7 ankoppeln k\u00f6nnen. Aber da war noch genau eine <em>Sojus<\/em> T auf Lager, die problemlos an die <em>Saljut<\/em> 7 aber auch an das &#8222;hintere&#8220; Ende der Mir, das ja noch mit <em>Igla<\/em> kompatibel war, ankoppeln konnte. Die <em>Sojus<\/em> TM dagegen waren noch nicht einsatzbereit &#8211; w\u00e4hrend die <em>Mir<\/em> schon darauf wartete, in Betrieb genommen zu werden.<\/p>\n<p>Was also tun mit der einen verbliebenen <em>Sojus<\/em> T? Zur <em>Saljut<\/em> 7, und die nicht erledigten Experimente durchf\u00fchren, aber die <em>Mir<\/em> unbemannt lassen und riskieren, dass sie Schaden nimmt? Zur <em>Mir<\/em>, und die <em>Saljut 7<\/em> aufgeben?<\/p>\n<p>Dann war da noch die <em>Buran<\/em>: \u00e4usserlich und auch von den Dimensionen eine Kopie des Space Shuttle, mit einigen konzeptionellen Unterschieden. Geplant f\u00fcr den Betrieb der <em>Mir<\/em>. K\u00f6nnte man mit der <em>Buran<\/em> nicht die <em>Mir<\/em> in Betrieb nehmen? Oder die <em>Saljut<\/em> 7 in den Laderaum bugsieren und zur Erde zur\u00fcck holen? Und dann?<\/p>\n<figure style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/3\/32\/Buran.jpg\" alt=\"Buran\" width=\"320\" height=\"498\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Buran bei ihrem einzigen Flug in den Weltraum. (c) unbekannt. Von Wikipedia (EN).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ger\u00fcchte machten die Runde, die NASA w\u00fcrde versuchen, die <em>Saljut<\/em> 7 zu &#8222;bergen&#8220;, mit ihr zu landen und dann? Als grossz\u00fcgige Geste und zum Beweis der technischen \u00dcberlegenheit der Sowjetunion zur\u00fcck geben? Ger\u00fcchte eben. Taugen f\u00fcr einen Roman, oder Science Fiction Film, oder einen Blog, eben. Und sp\u00e4testens mit dem Challenger-Ungl\u00fcck ohnehin Makulatur.<\/p>\n<p><em>De facto<\/em> war die <em>Buran<\/em> keine Option. Der Jungernflug, unbemannt, erfolgte erst im November 1988, und dieser unbemannte Jungfernflug sollte leider auch der letzte Flug einer <em>Buran<\/em> \u00fcberhaupt bleiben, bevor das Programm eingestellt wurde (offiziell erst 1993, faktisch wohl schon 1989).<\/p>\n<p>Nun, es blieben drei Optionen zur Auswahl:<\/p>\n<ol>\n<li>Die verbliebene <em>Sojus<\/em> T-15 verwenden, um zur <em>Saljut<\/em> 7 zu fliegen, sie zu reparieren und die nicht erledigten Experimente ausf\u00fchren. Dabei riskieren, dass die <em>Mir<\/em> f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit, bis zur Fertigstellung der <em>Sojus<\/em> TM oder der <em>Buran<\/em>, unbemannt blieb, dabei alterte oder vielleicht gar Schaden nahm.<\/li>\n<li>Die <em>Saljut<\/em> 7 aufgeben und die <em>Mir<\/em> in Betrieb nehmen.<\/li>\n<li>Beides. <b><i>Beides? Oh.<\/i><\/b><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nach reiflicher \u00dcberlegung (oder schierer Verzweiflung und Todesverachtung) wurde beschlossen, die dritte Option zu versuchen.<\/p>\n<h2><em>Sojus<\/em> T-15<\/h2>\n<p>Wie schon bei der Rettungsaktion von <em>Sojus<\/em> T-13 wurde auch diesesmal wieder ein Sitz aus der Sojuskapsel entfernt, um Platz f\u00fcr Vorr\u00e4te und Gep\u00e4ck zu schaffen. Und auch dieses mal wurde eine Crew ausgew\u00e4hlt, die sich in der <em>Saljut<\/em> 7 auskannten:\u00a0Leonid Kizim und Vladimir Solovyov waren beide bereits mit <em>Sojus<\/em> T-10 von Februar bis Oktober 1984 dort zuhause. Sie waren auch die letzten, die <em>Saljut<\/em> 7 noch bewohnt haben, bevor das erste gr\u00f6ssere Problem auftrat, das durch\u00a0<em>Sojus\u00a0<\/em>T-13 behoben wurde. (<em>Sojus<\/em> T-11 und T-12 waren jeweils nur Kurzzeitmissionen, die quasi zu Besuch kamen und noch vor <em>Sojus<\/em> T-10 wieder landeten.)<\/p>\n<figure style=\"width: 642px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" aligncenter\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/9\/96\/1985_CPA_5645_%281%29.jpg\" width=\"642\" height=\"460\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">UdSSR Briefmarke. Designer: G. Komlev. Michel Katalog Nr. 5524. L.D. Kizim (links), V.A. Solovyov (Mitte), O.Yu. Ot&#8217;kov (rechts); Besatzung der Sojus T-10 (alle drei) und Sojus T-15 (Kizim und Solovyov)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die\u00a0<em>Mir<\/em>\u00a0wurde auf eine Umlaufbahn man\u00f6vriert, die so \u00e4hnlich wie m\u00f6glich zu der von <em>Saljut<\/em> 7 war. So konnte der eh schon sehr knappe Treibstoff sparsam eingesetzt werden. Da auch so die Treibstoffvorr\u00e4te einer <em>Sojus<\/em> nicht ausreichen, um den Orbit einer schweren Raumstation wiederholt anzupassen, w\u00fcrde es auch noch zwei Progress-Transporter brauchen, die nacheinander zur <em>Mir<\/em> flogen und Vorr\u00e4te und Treibstoff lieferten. Da die Progress-Tarnsporter aber mangels Besatzung nur automatisch koppeln konnten, und bis dato nur mit dem alten <em>Igla<\/em>-System funktionierten, mussten Kizim und Solovyov schon &#8222;zaubern&#8220;, um \u00fcberhaupt an der <em>Mir<\/em> anlegen zu k\u00f6nnen: am 15. M\u00e4rz 1986, zwei Tage nach dem Start, navigierte die <em>Sojus<\/em> automatisch vom <em>Igla<\/em>-System am hinteren Ende der <em>Mir<\/em> kontrolliert bis 200 m Abstand zwischen den beiden Raumfahrzeuge. Hier wurde der automatische Vorgang abgebrochen, und die beiden Kosmonauten bugsierten ihr Raumfahrzeug manuell um die Mir herum und koppelten an das vordere Dock. Hier profitierten die beiden von den Erfahrungen der <em>Sojus<\/em> T-13 und einem speziell daf\u00fcr entwickelten Laser-Entfernungsmesser.<\/p>\n<p>Jetzt konnte die Arbeit endlich beginnen. In knapp 55 Tagen setzten die beiden die <em>Mir<\/em> in Betrieb, luden dabei zwei nacheinander ankommende Progress-Lastkapseln aus und installierten das angelieferte Ger\u00e4t. Jetzt packten die beiden ihre pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde, Werkzeuge, Ausr\u00fcstung und sogar selbst kultivierte Pflanzen ein, stiegen in ihre <em>Sojus<\/em> und machten sich auf den Weg zur <em>Saljut<\/em> 7, die auf einem etwas niedrigeren Orbit gewartet hatte. Um den Unterschied zwischen den beiden Orbits zu verkleinern und somit Treibstoff zu sparen, wurde die Umlaufbahn der <em>Mir<\/em> mittels einer Progress-Kapsel an die der <em>Saljut<\/em> 7 angepasst und der Abstand auf 2500 km reduziert. Nach einem 29-st\u00fcndigen Transfer dockte die <em>Sojus<\/em> T-15 erfolgreich an <em>Saljut<\/em> 7 an.<\/p>\n<p>Wie schon bei der Reparaturmission von <em>Sojus<\/em> T-13 war die <em>Saljut<\/em> 7 auch diesesmal ohne Stromversorgung und komplett ausgek\u00fchlt. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme f\u00fchrten die beiden zwei &#8222;Weltraumspazierg\u00e4nge&#8220; oder EVAs (Extra-Vehicular Activity) durch, experimentierten und bargen wertvolle Messinstrumente, die mit den beiden zur <em>Mir<\/em> umziehen sollten. Insgesamt wurden fast 400 kg wertvolle Ausr\u00fcstung f\u00fcr den Umzug vorbereitet und eingepackt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Kizim und Solovyov auf <em>Saljut<\/em> 7 arbeiteten, flog eine Sojus-Kapsel der neuen Generation, <em>Sojus<\/em> TM-1, unbemannt zur <em>Mir<\/em>, koppelte automatisch am <em>Kurs<\/em>-Stutzen, dockte nach 9 Tagen wieder ab und landete ebenfalls unbemannt. Dieser Flug diente als Test f\u00fcr die neue <em>Sojus<\/em> Generation und f\u00fcr das neue automatische Kopplungssystem <em>Kurs<\/em>.<\/p>\n<p>Am 26. Juni traten Kizim und Solovyov den 29-st\u00fcndigen R\u00fcckflug zur Mir an. Hier angekommen entluden sie die Fracht, installierten mitgebrachte Messger\u00e4te und f\u00fchrten Experimente durch. \u00a0Drei Wochen sp\u00e4ter begannen die Vorbereitungen f\u00fcr die R\u00fcckkehr zur Erde. Die Mir wurde in einen nominalen Ruhezustand versetzt, und am 16. Juli 1986 legte <em>Sojus<\/em> T-15 von der <em>Mir<\/em> ab und landete sicher und planm\u00e4ssig in der sibirischen Steppe.<\/p>\n<p>Die vielleicht verr\u00fcckteste bemannte Mission &#8211; so komplex und waghalsig sie war, wurde erfolgreich beendet. Die Sowjets hatten nun die <em>Saljut<\/em> 7 \u00c4ra erfolgreich beendet, die Nachfolgestation <em>Mir<\/em> in Betrieb genommen, das letzte alte <em>Sojus<\/em>-T Raumschiff sinnvoll eingesetzt, das Nachfolgemuster <em>Sojus<\/em> TM erfolgreich getestet, und konnten den kommenden Jahren mit Zuversicht entgegen sehen &#8211; w\u00e4hrend die Kollegen bei der NASA seit dem Challenger-Ungl\u00fcck im Januar 1986 quasi fl\u00fcgellahm zusehen musste.<\/p>\n<h2>Epilog<\/h2>\n<ul>\n<li>Die Space Shuttle Flotte konnte zwei Jahre nach dem Challenger-Ungl\u00fcck den Betrieb wieder aufnehmen.<\/li>\n<li>Die beiden politischen Bl\u00f6cke n\u00e4herten sich unter Gorbatchov einander an und vereinbarten gemeinsame Projekte im Weltraum. 1995 dockte das Space Shuttle erstmals an der Mir an. Es begann eine l\u00e4ngere Phase, in denen regelm\u00e4ssig Shuttles (neben <em>Sojus<\/em> TM) zur Mir flogen, Vorr\u00e4te und G\u00e4ste &#8211; auch aus Europa &#8211; brachten und holten.<\/li>\n<li>Die mit der <em>Mir<\/em> gewonnenen Erfahrungen &#8211; also der sukzessive Aufbau einer gr\u00f6sseren Station aus mehreren zweckoptimierten Modulen, und der Transport von Mann und Maus mit dem Space Shuttle und anderen Raumkapseln, wurden bei der Planung, beim Aufbau und beim Betrieb der International Space Station ISS ausgenutzt.<\/li>\n<li>Leonid Kizim liess sich 1987 in den Ruhestand versetzen. Er starb im Juni 2010. Vladimir Solovyov wurde im Anschluss an die <em>Sojus<\/em> T-15 Mission der Mir Flugdirektor, wurde 1994 zun\u00e4chst pensioniert, kehrte aber als Leiter der Russischen ISS-Aktivit\u00e4ten zur\u00fcck.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h1>Quellen:<\/h1>\n<ol>\n<li>http:\/\/www.spacefacts.de\/mission\/english\/soyuz-t15.htm<\/li>\n<li>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Soyuz_T-15<\/li>\n<li>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Salyut_7<\/li>\n<li>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Soyuz_T-10<\/li>\n<li>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kurs_(docking_navigation_system)<\/li>\n<li>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Igla_(spacecraft_docking_system)<\/li>\n<li>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mir<\/li>\n<li>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Buran_(spacecraft)<\/li>\n<li>https:\/\/youtu.be\/8EPbJRsN1Zk<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Empfehlung<\/h2>\n<p>Curious Droid betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem er zahlreiche sehr gut recherchierte und kompetent pr\u00e4sentierte Videos (in Englisch) zu Raumfahrt-Themen ver\u00f6ffentlicht, so wie dieser sehr sch\u00f6ne Film zu <a href=\"https:\/\/youtu.be\/8EPbJRsN1Zk\"><em>Saljut<\/em> 7<\/a>.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andauernde Probleme mit der Saljut 7 Raumstation einerseits, und die bereits gestartete Mir Station andererseits konfrontierten die sowjetische Raumfahrt Mitte der 80er Jahre  mit einem Dilemma: sollte man die Saljut 7 reparieren und die noch ausstehenden Experimente durchf\u00fchren, oder die Mir so schnell \u00a0wie m\u00f6glich in Betrieb nehmen und Saljut7 aufgeben? Da nur noch eine Sojus-Kapsel zur Verf\u00fcgung stand, die an beide Raumstationen ankoppeln kann, musste eine Entscheidung her. Und man entschied sich zu einer riskanten L\u00f6sung: nicht entweder\/oder sondern sowohl\/als auch. Zwei Kosmonauten nahmen zun\u00e4chst die Mir in Betrieb, wechselten von dort zur Saljut 7, f\u00fchrten die dort wartenden Experimente durch, und kehrten anschliessend zur Mir zur\u00fcck. Nie zuvor und nie danach ist eine Crew von einer Raumstation zu einer anderen (und dann auch noch retour) geflogen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[41,172,127,129,132],"tags":[136,169,157,158,159],"class_list":["post-157","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-d","category-durchblog","category-longread","category-raumfahrt","category-weltraum","tag-bemannte-raumfahrt","tag-durchblog","tag-raumfahrtgeschichte","tag-saljut","tag-sojus"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8RZxm-2x","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=157"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4331,"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions\/4331"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}