{"id":155,"date":"2017-07-15T12:31:43","date_gmt":"2017-07-15T12:31:43","guid":{"rendered":"http:\/\/durchblog.ch\/?p=155"},"modified":"2025-03-26T15:13:20","modified_gmt":"2025-03-26T14:13:20","slug":"trinke-ich-genug","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karsten-seiferlin.ch\/?p=155","title":{"rendered":"Trinke ich genug?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_154\" aria-describedby=\"caption-attachment-154\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/img_4341.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-154\" title=\"Dieses Bild soll nur neugierig machen - im Artikel geht es um Wasser. Foto: (c) K. Seiferlin, TimeCaptured auf instagram\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/img_4341.jpg?resize=452%2C480\" alt=\"Dieses Bild soll nur neugierig machen - im Artikel geht es um Wasser. Foto: (c) K. 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Foto: (c) K. Seiferlin, TimeCaptured auf instagram<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote><p><b>TL;DNR:<\/b>\u00a0Trinke ich genug?\u00a0<i>Spoiler:<\/i> Sehr wahrscheinlich ja. <i>Begr\u00fcndung:<\/i> Sonst w\u00fcrdest Du mehr trinken. <i>Denke ich mir das nur aus?<\/i> Nein, dazu gibt es Untersuchungen, die unabh\u00e4ngig begutachtet und in Fachmagazinen ver\u00f6ffentlich wurden. <i>Und mein Kaffee entzieht meinem K\u00f6rper Wasser?<\/i> Nein, nat\u00fcrlich nicht. <i>Aber warum sagen und schreiben alle, dass wir &#8222;viel trinken sollen&#8220; und Kaffee uns austrocknet?<\/i> Weil Fakten recherchieren viel m\u00fchsamer ist als abschreiben und nachplappern. <i>Klingt unglaublich?!<\/i> Dann musst du wohl doch den ganzen Artikel lesen, und wahrscheinlich noch viel mehr.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gut, wenn das in der Zusammenfassung etwas hoppla-hopp ging, dann hole ich dich da ab, wo du vermutlich stehst. Jetzt, mitten im heissen Sommer <span style=\"text-decoration: line-through;\">2003 2015 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024<\/span>\u00a02025 (und danach), liest man ein Duzend mal t\u00e4glich, dass man auf jeden Fall mindestens 2, besser 3 oder doch 4 Liter Wasser am Tag trinken soll. \u00a0(Die 2 Liter entsprechen den in den USA fr\u00fcher empfohlenen 8 x 8 (Fl\u00fcssig-Unzen), pr\u00e4zise 1.893 Liter. Drei und mehr Liter machen Fitness-Portale und andere Sekund\u00e4rquellen gern daraus, damit man auf der &#8222;sicheren&#8220; Seite ist.). Auch wird gern behauptet, Bier, Wein, selbst Kaffee und Tee stillen den t\u00e4glichen Fl\u00fcssigkeitsbedarf nicht oder entziehen gar zus\u00e4tzliches Wasser.<\/p>\n<p>Dann muss es ja stimmen! Oder? Eine Referenz auf eine Erstquelle, also eine Publikation in einem wissenschaftlichen Fachmagazin, die sorgf\u00e4ltig und unabh\u00e4ngig begutachtet wurde, fehlt n\u00e4mlich meistens. Also doch\u00a0<i>Urban Legends<\/i>?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Merke: je \u00f6fter und lautst\u00e4rker etwas behauptet wird, desto wichtiger sind belastbare Belege.<\/p><\/blockquote>\n<p>OK, aber wie kommen wir eine oder zwei Schichten unter die <i>urban legends<\/i>? Recherche&#8230; oder dort nachlesen, wo sich jemand die M\u00fche gemacht hat und Quellen angibt.<\/p>\n<p>Um nicht missverstanden zu werden: wir reden im Folgenden um gesunde Menschen mit gesundem Durstgef\u00fchl, normaler k\u00f6rperlicher Belastung und bei normalen Umweltbedingungen. Zum Beispiel im B\u00fcro, in der Bahn, zuhause, im Schatten&#8230; Menschen mit Demenz, Hochleistungssportler w\u00e4hrend eines Wettkampfes oder auch Gelegenheitstouristen in praller Mittagssonne oder in d\u00fcnner H\u00f6henluft haben ziemlich sicher einen situationsbedingt kurzzeitig erh\u00f6hten Fl\u00fcssigkeitsbedarf.<\/p>\n<figure id=\"attachment_153\" aria-describedby=\"caption-attachment-153\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alternative-a.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-153\" title=\"Bei sportlicher Anstrengung, grosser Hitze und bei H\u00f6henluft braucht es schon mehr Wasser als an normalen B\u00fcrotagen. Foto: (c) Ruth Ziethe\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/karsten-seiferlin.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alternative-a.jpg?resize=525%2C394\" alt=\"Bei sportlicher Anstrengung, grosser Hitze und bei H\u00f6henluft braucht es schon mehr Wasser als an normalen B\u00fcrotagen. Foto: (c) Ruth Ziethe\" width=\"525\" height=\"394\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-153\" class=\"wp-caption-text\">Bei sportlicher Anstrengung, grosser Hitze und bei H\u00f6henluft braucht es schon mehr Wasser als an normalen B\u00fcrotagen. Foto: (c) Ruth Ziethe<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Folgenden fasse ich die Wichtigsten Aussagen aus den unten angegebenen Quellen zusammen.<\/p>\n<ol>\n<li>Es gibt erstaunlich wenige umfassende und aussagekr\u00e4ftige Studien, um den Fl\u00fcssigkeitsbedarf eines gesunden Menschen unter normalen Bedingungen zu ermitteln. Die wenigen Studien, die es gibt, deuten darauf hin, dass die meisten Menschen automatisch genug trinken, sofern sie Zugang zu Fl\u00fcssigkeiten haben. Die simple Tatsache, dass viele Milliarden Menschen an allen m\u00f6glichen Krankheiten leiden oder gar sterben, aber eben <b>nicht<\/b> an Austrockung, ist zwar keine kontrollierte und belastbare klinische Studie, aber doch statistisch extrem aussagekr\u00e4ftig. Untersuchungen in den unten angegebenen Quellen zeigen aber, dass die meisten Menschen deutlich weniger trinken als heute vielfach gefordert oder empfohlen wird. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass uns viele Millionen Jahre Evolution in einen Zustand versetzt haben, in dem unser K\u00f6rpergef\u00fchl (d.h. der Durst) dermassen verpeilt ist, dass wir unter chronischem Wassermangel durch&#8217;s Leben gehen und uns so langsam umbringen. Nachzulessen bei Valtin (Quelle siehe ganz unten). Nogoianu und Goldfarb best\u00e4tigen die zentralen Aussagen Valtins. Kurzum: h\u00f6r auf deinen Durst und trinke einfach dann, wenn dir danach ist. Es kommt nur ein Liter am Tag zusammen, aber es geht dir gut? Prima. Du hast zwei Liter getrunken? Auch gut.<\/li>\n<li>&#8222;Der Durst kommt zu sp\u00e4t&#8220;, sagen andere. Falsch, sagen Valtin und von ihm zitierte weitere Studien. H\u00f6re auf deinen K\u00f6rper. Der Durst kommt rechtzeitig.<\/li>\n<li>Sakera, Farrell, Gary F. Egan, Michael J. McKinley und Derek A. Dentona haben in ihrer Untersuchung den Spiess umgedreht und konnte zeigen, dass es M\u00fche macht und Widerwillen verursacht, mehr Wasser zu trinken als der versp\u00fcrte Durst fordert. Dieses Ergebnis best\u00e4tigt die vorhin gemachte Aussage aus der Gegenrichtung: zwinge dich nicht, mehr zu trinken als du m\u00f6chtest.<\/li>\n<li>Es gibt auch Studien (siehe dazu die von Valtin zitierten Quellen), die eher daf\u00fcr sprechen, dass man zu viel trinken kann. Du hast sicher auch von Todesf\u00e4llen geh\u00f6rt, bei denen unerfahrene Sportler und College-Studenten bei Mutproben zu viel Wasser getrunken haben. Ein guter Anhaltspunkt w\u00e4rhend eines langen Trainings oder Wettkamps ist das K\u00f6rpergewicht: nimmt es zu statt ab, kann man beinahe sicher sein, dass man gesundheitsgef\u00e4hrend zu viel Fl\u00fcssigkeiten konsumiert hat. Dem schliesst sich unter anderem auch die ETH Z\u00fcrich an (Samuel Mettler, Mitglied eines Gremiums, dass eine Konsenserkl\u00e4rung mit einer Warnung vor \u00fcbertriebenem Wasserkonsum verfasst hat).<\/li>\n<li>Die manchmal ge\u00e4usserte Meinung, ein hoher Fl\u00fcssigkeitskonsum sei f\u00f6rderlich f\u00fcr die Nieren, konnte nicht nachgewiesen werden. Es gibt aber Hinweise darauf, dass eher das Gegenteil der Fall ist.<\/li>\n<li>Sorge daf\u00fcr, dass du genug Wasser in Reichweite hast. Gerade bei ungew\u00f6hnlichen Verh\u00e4ltnissen wie einer Hitzewelle, ausgedehnten Wanderungen, intensivem Sport etc. ist es wahrscheinlich, dass man mehr Durst versp\u00fcrt als sonst. Genug Wasser &#8222;in Reichweite&#8220; kann heissen, es reicht, wenn fliessend Wasser im Geb\u00e4ude zug\u00e4nglich ist. Es kann auch heissen, dass Du einige Flaschen Wasser im Gep\u00e4ck tragen solltest. Es macht nichts, wenn du mangels Durst die Vorr\u00e4te dann doch nicht brauchst, aber sicher ist sicher.<\/li>\n<li>Wenn du kein gesundes Gesp\u00fcr f\u00fcr Durst hast, und nur dann, lass dir raten, wann und wieviel du trinken solltest.<\/li>\n<li>Kaffee und Tee ben\u00f6tigen zwar Wasser, um die enthaltenen Stoffe aus dem K\u00f6rper zu schwemmen, aber sie entziehen dem K\u00f6rper kein Wasser. Im Gegenteil &#8211; einen Teil des Wasser bringen sie ja schon mit, und das sowieso nebenher aufgenommene Wasser reicht vollkommen aus, sich um den Rest zu k\u00fcmmern. Es ist ja nicht so, als wenn der normale Wasserbedarf gar nicht f\u00fcr das Ausschwemmen von Koffein zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde &#8211; das tut es sehr wohl! Also: don&#8217;t worry, wenn du ausser Kaffee und Tee auch mal etwas Wasser trinkst, ist alles gut und du musst keine zus\u00e4tzliche Portion konsumieren. (Siehe z.B. angelinkter Artikel der deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung). In abgeschw\u00e4chter Form gilt das auch f\u00fcr Bier und Wein. Und wenn du, um Bier, Wein, Tee und Kaffee zu vermeiden, nun zum Beispiel Softdrinks oder S\u00e4fte trinkst: hab ein Auge auf den Zucker. Und wenn du deshalb Light-Getr\u00e4nke vorziehst, oder &#8222;zero&#8220;: schau die mal die Zutatenliste an. Bist du sicher, dass deine Nieren das auf Dauer (=Jahrzehnte) lieber haben und ges\u00fcnder finden als Bier oder Wein (in Ma\u00dfen, nicht Massen, versteht sich)?<\/li>\n<li>Aber diese Flaschen, die l\u00e4ssig am Daypack h\u00e4ngen, die sich doch kultig, sagst du. Ok, du darfst ja auch eine dabei haben. Musst sie ja nicht st\u00e4ndig auff\u00fcllen. Und leer trinken. Siehe Tipp Nr. 3: immer genug Wasser in Reichweite haben.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wir lassen uns also nicht mehr verr\u00fcckt machen von den Zutzlern in Bahn, H\u00f6rsaal und B\u00fcro, die keine f\u00fcnf Minuten ohne laut vernehmbares Nuckeln aus der Flasche (nicht etwa Schlucke aus offenem Flaschenhals) auskommen und uns einreden, dass wir zu wenig trinken. Passende Antwort auf unverlangte Missionierungsversuche: &#8222;Definiere &#8218;zu wenig&#8216;. Wenn ich &#8218;zu wenig&#8216; trinke, warum bin ich nicht l\u00e4ngst krank oder tot?&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens haben die Schweizerische und die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr (CH: Gesunde) Ern\u00e4hrung ihre jeweiligen Empfehlungen basierend auf diesen Erkenntnissen gegen\u00fcber fr\u00fcher (&#8222;mindestens 1.5 Liter&#8220;) auf &#8222;1 bis 2 Liter&#8220; relativiert.<\/p>\n<h2>Referenzen und Quellen:<\/h2>\n<ol>\n<li>Heinz Valtin. \u201cDrink at least eight glasses of water\u00a0a day.\u201d Really? Is there scientific evidence for \u201c8 x 8\u201d? Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol 283: R993\u2013R1004, 2002. First published August 8, 2002; \u00a010.1152\/ajpregu.00365.2002.<\/li>\n<li>Dan Negoianu and Stanley Goldfarb<br \/>\nRenal, Electrolyte, and Hypertension Division, University of Pennsylvania, Philadelphia, Pennsylvania, J Am Soc Nephrol 19: 1041\u20131043, 2008. doi: 10.1681\/ASN.2008030274<\/li>\n<li>Overdrinking, swallowing inhibition, and regional brain responses prior to swallowing, Pascal Sakera, Michael J. Farrell, Gary F. Egan, Michael J. McKinley and Derek A. Dentona, 12274\u201312279, doi: 10.1073\/pnas.1613929113<\/li>\n<li>Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Gesunde Ern\u00e4hrung: http:\/\/www.sge-ssn.ch\/media\/Merkblatt_Fluessigkeitsbedarf_und_Getraenke_2015.pdf<\/li>\n<li>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung: https:\/\/www.dge-medienservice.de\/fileuploader\/download\/download\/?d=0&amp;file=custom%2Fupload%2FFile-1421224146.pdf<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TL;DNR: Spoiler: Sehr wahrscheinlich trinkst du genug, ja. 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